Mo, 30.10.2006

DTM - Analyse

Der 10. Saisonlauf - schwäbisch & verschwenderisch

Im Reich der schwäbischen DTM-Triumphatoren der Saison 2006 zogen die Protagonisten zum Saisonabschied noch einmal die Spendierhosen an...
© AUDI

Motorsport-Magazin.com - 149.000 Zuschauer sparten am letzten Rennwochenende der Saison in Hockenheim nicht mit ihrer Präsenz - und stellten einen neuen DTM-Besucherrekord auf. Und auch abseits der Tribünen sowie der üblichen Champagnerduschen präsentierte sich der DTM-Tross dem Austragungsort sowie der Herkunft der strahlenden Sieger zum Trotz in gänzlich unschwäbischer Form verschwenderisch...

Verschwenderisches Maß an Action

Wenngleich sich durchaus auch fahrzeugtechnische Optionen anführen lassen, mit der die Zahl der Überholmanöver in der DTM erhöht werden könnte: Wie gerufen bestätigte sich Hans Werner Aufrechts neues Credo, wonach es für spektakulärere Zweikämpfe des richtigen - und notfalls auf seinen Wunsch hin geänderten - Streckenlayouts bedarf, in Hockenheim eindrucksvoll. Offenkundig ohne aerodynamische Hindernisse auf Fahrzeugseite wurden sämtliche sich bietende Überholmöglichkeiten in so ausgiebiger Form genutzt, dass mit der Action der ersten sechs Hockenheim-Runden sechs Rennen in Oschersleben gut gefüllt gewesen wären...

Am Ende konnte sich Spengler mühelos an Frentzen vorbeischieben © DTM

Nach gelungen Starts von Seiten des Pole-Setters Heinz-Harald Frentzen, Jamie Greens, Martin Tomczyks, Tom Kristensens und Bernd Schneiders sowie einem misslungenen Start Bruno Spenglers bildete sich ein Sechskampf heraus, der seinesgleichen suchte. Waren zunächst sämtliche fünf Verfolger zum zwischenzeitlich schwächelnden Frentzen aufgeschlossen, so gingen die engen Abstände dann mit umso hitzigeren Positionswechseln einher: Erschien zunächst Audi als Sieger, nachdem sich Martin Tomczyk hinter Frentzen auf Platz zwei gesetzt hatte, ging in Folge unzähliger harter, aber fairer Überholmanöver schließlich Mercedes als Gewinner hervor: Am Ende hatten sich Bruno Spengler und Jamie Green mühevoll auf die Plätze zwei und drei befördert - um dann umso müheloser einem Doppelsieg entgegenzufahren...

Schwäbisches Taktik-Glanzstück

Nachdem Heinz-Harald Frentzen vergleichsweise früh zum ersten Mal die Box aufgesucht hatte, Spengler und Green jedoch unbeirrt in Doppelführung weiter ihre Runden drehten, konnte man sich bei Audi vermutlich einer bösen Vorahnung nicht erwehren: Erneut wurde man Zeuge eines schwäbischen Musterbeispiels an cleverer Rennstrategie, das vom Kanadier ebenso wie vom Briten, der endlich noch einmal ein Rennen ohne Rennpech oder gravierende eigene Fehler erlebte, reibungslos umgesetzt wurde. Mit einem weit hinausgezögerten ersten Stopp baute das Mercedes-Duo seine Führung mit Blick auf das bereinigte Klassement weiter aus; der Vorsprung Spenglers auf den drittplatzierten Kristensen, wie er nach dem zweiten Stopp des 23-Jährigen zu Tage trat, erschien beinahe beängstigend.

Tom Kristensen hatte seinen Dauerrivalen Bernd Schneider fest im Griff © Audi

Doch war es längst nicht nur die Taktik, die für den traditionellen Schwabensieg im Schwäbischen Ausschlag gebend war. Das Dauerstrahlen eines mit Platz drei zufriedenen Tom Kristensen verriet so Einiges über die Siegchancen der Ingolstädter: Sie waren gegen einen in Hochform befindlichen Bruno Spengler erneut praktisch nicht existent. Dass der Däne mit einer gut auf seine mittelmäßige Ausgangsposition abgestimmte Rennstrategie den erneut nicht zu unterschätzenden Bernd Schneider in Schach halten konnte, stellte zwar ein Trostpflaster dar, entsprach jedoch nicht den eigenen Ansprüchen Audis.

Was folgte, war der mit Blick auf den Austragungsort beinahe zu erwartende verschwenderische Erfolgsregen für Mercedes: Der Vizetitel für Bruno Spengler, der seine Position als siegreichster Pilot der Saison ausbaute, ein 6:4 im Siegduell gegen Audi sowie ein Doppeltriumph der HWA-Mannschaften in der Teamwertung. Audi blieb die tröstende Hoffnung auf das nächste Jahr - sowie ein interner Scherbenhaufen:

Punkte- und Talentverschwendung

Mit dem sprichwörtlichen Porzellan ging Heinz-Harald Frentzen auch in Hockenheim nicht sparsam um - zerschlug er doch intern erneut ganze Service-Sets: "Das zeigt, dass ich im Team nicht besonders beliebt bin" stellten die wohl meistzitierten Worte des Rennsonntags dar. Allzu persönlich hatte der Mönchengladbacher eine wenig gelungene Rennstrategie von Seiten des Kommandostands sowie einen Rempler von Mattias Ekström genommen - nachdem es jedoch offenkundig entgegen allen Beteuerungen der Audi-Verantwortlichen schon vorher zu so manchen Unstimmigkeiten gekommen war. Seit heute gehen Audi und Frentzen getrennte Wege.

Christian Abt und Timo Scheider wussten zu überzeugen © Audi

Die übliche, ihm eigene Unbekümmertheit, mit der Ekström den folgenschweren Crash kommentierte, wirkte angesichts der aufgeladenen Stimmung da schon beinahe absurd: "Es kam zu einem Missverständnis zwischen Heinz-Harald und mir. Leider hat er auch nicht weiterfahren können, was sehr schade war", gab der Schwede zu Protokoll und sprach von der Sonne, die auf den Regen folge... Die Saison endete für Mattias Ekström, wie sie begonnen hatte - mit zwei Ausfällen in Folge. Und trotz des Pechs, das dem DTM-Meister von 2004 in dieser Saison anhaftete, konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er 2006 durchaus auch von seiner Seite nicht selten hinter seinem bekannten Potenzial so zurückblieb wie ein gewisser Heinz-Harald Frentzen, der gestern sein wohl letztes DTM-Rennen bestritt.

Französisch-schwäbischer Abschied

Zum verfrühten Abschied Frentzens gesellte sich in Hockenheim ein Abschied, der bereits erwartet worden war: Jean Alesi bestritt sein letztes von insgesamt 51 DTM-Rennen. Während Stefan Mücke das Technikpech plagte und sich Daniel La Rosa und Alexandros Margaritis mit einem allzu hitzigen Zweikampf am Ende selbst ein Bein stellten, war es Alesi, der mit einem achten Platz die Ehre der Mercedes-Jahreswagen rettete. Zum Titel des erfolgreichsten Fahrer eines 2005er-Boliden, wie er ihn in der Meisterschaft unter Dach und Fach brachte, reichte es für den Franzosen beim Finalrennen jedoch nicht:

Schneider, Spengler und Kristensen nahmen ihre Meisterschaftsehren entgegen © DTM

Mit den Plätzen sechs und sieben fuhren Timo Scheider und Christian Abt ein gemessen an den letztjährigen Hockenheim-Leistungen der 2005er-Audi beachtliches Ergebnis ein, das aus Sicht des Allgäuers mit Platz fünf noch fulminanter hätte ausfallen können - hätte sich Audi-Sportchef Dr. Wolfgang Ullrich eine Order zu Gunsten des im abtschen Rückspiegel auftauchenden Ekström verkniffen, die letztlich auch die verhängnisvolle Nähe des Schweden und des Mönchengladbachers früher herstellte, als es auf "natürlichem Wege" möglich gewesen wäre...

Die finale Sparsamkeit

Nachdem die Häufigkeit von Drive-through-Strafen bereits in Le Mans abgenommen hatte, hielten sich die Sportkommissare auch beim letzten Rennen der Saison zurück. Lediglich Vanina Ickx musste der Box in ihrem vermutlich letzten DTM-Rennen einen unfreiwilligen dritten Besuch abstatten, nachdem sie unsanft mit Mathias Lauda aneinander geraten war. Das Ende der Saison empfand die Belgierin in Form von Platz elf - dem besten letzten Platz ihrer DTM-Karriere - als ebenso versöhnlich wie Susie Stoddart, die im 2004er-Mercedes mit Platz neun für Aufsehen sorgte.

Und so wurde das Versöhnliche abgesehen von den Querelen um Frentzen zum Saisonabschied groß geschrieben - anders als noch in den vergangenen Monaten sparte man spürbar mit gegenseitigen Vorwürfen. "Es tut mir leid, dass ich mich mit Jamie berührt habe", entschuldigte sich Kristensen artig und verzieh auch seinem Titelrivalen Bernd Schneider einen Fauxpas, der ihm in ähnlicher Form selbst in Barcelona von Mercedes-Seiten noch übel genommen worden war: "Ich habe kein Problem mit Bernds Berührung, das geht völlig in Ordnung. Das besprechen wir heute Abend bei einem Bier..."

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8 Leser-Kommentare
am 01. November um 23:57 Uhr
Anonymer Kommenar:
Dann müssten auch noch ganz andere Fahrer gehen,die fahren aber tüchtig weiter, bekommen nochmal eine Chance.Übrigens hat Herr Frentzen seinen Platz selber freigegeben.
am 01. November um 18:46 Uhr
Anonymer Kommenar:
wenn ein Fahrer das ganze Jahr über, bis auf ein paar Ausreiser, keine ordentliche Leistung zeigt und sich dann noch hinstellt und dem Team öffentlich Vorwürfe macht, dann braucht er sich über einen Rausschmiß nicht zu wundern!! Jetzt ist endlich ein aktuelles Auto frei, für jemanden der den unbedingten Siegwillen in sich trägt und bis zum Schluß kämpft.
am 01. November um 11:25 Uhr
Anonymer Kommenar:
Zu vorigem Kommentar. Sicher wird es nicht mehr besser, auch wenn der Schreiber keinen Audi mehr kauft. Aber ich verstehe, dass er keinen Audi fahren will, ich würde auch keinen wollen.Und meine Audiflagge ist zerschnitten im Mülleimer!
am 01. November um 01:13 Uhr
eva_susa:
glaubst du nur weil du keinen audi mehr kaufst wird alles besser, oder wie? ;-)
am 31. Oktober um 20:44 Uhr
Anonymer Kommenar: werde keinen Audi mehr kaufen!!!!!!!!!
Ich kann mich für die Audi Truppe überhaupt nicht mehr begeistern. Es ist nicht schön was mit HHF gelaufen ist und da ist nicht der Fahrer wegen mangelder Leistung schuld. HHF ist auch nicht bekannt dafür das er sich schlecht gegenüber seinem Team äussert. Da ist was richtig faul und ich bin gespannt wie er reagieren wird.. Sowieso verliert die Serie damit seinen stärksten Publikumsmagneten. Ich werde die DTM nicht mehr verfolgen. HHF such Dir bitte eine andere Rennserie ich drücke Dir die Daumen für die Zukunft und freue mich auf spannende Rennen gegen Montoya, Villneuve etc.. ;-)
am 31. Oktober um 14:02 Uhr
Anonymer Kommenar:
Da bin ich auch gespannt. Es sollte dringend eine 3. Automarke dazu kommen. Für Audi kann man sich langsam gar nicht mehr begeistern.Gott sei Dank ist HHF bei denen ausgestiegen.
am 30. Oktober um 22:25 Uhr
Anonymer Kommenar:
Die Zuschauer beziehen sich auf 3 Tage gesehen! Es handelt sich nicht nur um den Rennsonntag!
am 30. Oktober um 21:42 Uhr
Anonymer Kommenar: Zuschauerzahl
Wie die Zuschauerzahl von 149000 zustande kommt ist mir schleierhaft, da hatte man doch 2005 noch eine Zusatztribüne Süd aufgebaut die 2006 fehlte, auf der Innentribüne waren auch noch viele Plätze frei. Die Zusatztribüne Süd (2005) hatte man wohl nur dem Abgang von Opel zu verdanken, ich bin gespannt wie es 2007 ohne HHF weitergeht.